• Release Date: März 14, 2014
  • Catalog No: B00HV3MEGC
  • Label: Cooking Vinyl (Indigo)
  • Type: Punk und Rock
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The Pretty Reckless: Going To Hell

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Eigentlich fällt es schwer, zu glauben, dass ein bildhübsches junges Mädel mit beachtlicher Schauspielkarriere, in der Lage ist, auch nur annähernd dem längst verstorbenen Grunge wieder Leben einzuhauchen. Nicht einmal wohlwollende Mund-zu-Mund-Beatmung erwartet man beim Anblick des Prinzesschens Taylor Momsen, die mittlerweile als TV-Darstellerin in „Gossip Girl“ den meisten bekannt sein sollte. Doch Holla, die Waldfee!

Was seit Courtney Love keinem mehr authentisch gelang, erledigt ihre rauchige Punkröhre mit links. Schmerzhafter, rotziger Rock, ironisch-liebliche Lyrics und simple aber harte Melodien bieten The Pretty Reckless auf ihrem mittlerweile zweiten Album „Going To Hell“ – und sind in ihrer Brachialgewalt nicht zu bremsen. Sicher, der Stil ist nichts Neues und sprang zu Beginn der Neunziger aus allen Gullilöchern. WAS daran jedoch so genial erscheint, ist die Tatsache, dass es trotz allem nicht wie ein billiger Abklatsch der damaligen Riot-Grrrls-Bewegung klingt, sondern wie ein authentisches zweites Kapitel eines Buchs, das längst zu Ende geschrieben schien.

Die Anfänge zu „Going To Hell“ wurden bereits zu Zeiten von Hurricane Sandy gesetzt, jedoch roh zerstört, als der Sturm das Studio der Band niederfegte und Material sowie Instrumente schlichtweg davonblies. Taylor Momsen trat jedoch angepisst mit ihren Lederstiefeln zurück und nahm die Songs erneut auf, die sich nun auf dem 12-Track-Scheibchen wiederfinden.

Mit einer so coolen Attitüde, dass sie komplett gelangweilt wirkt, röhrt die 20-jährige ihre hitreifen Songs herunter, „Absolution“ oder  „Sweet Things“ machen in klassischer Rock’nRoll Manier saftig Feuer unterm Pöter, während „Follow Me Down“ wie ein schräger Country-Song auf Koks klingt. Besonders der bittersüße Titel „Heaven Knows“ reißt es mit einem Kinderchor heraus, der ganz scharfzüngig weiß: „We belong right down below“.

Sicher, Taylor Momsen polarisiert und garantiert wird nicht jeder ihr Mikrophon-Gerammel mögen – doch genau das macht guten Grunge ja aus.

 

(Anne-Catherine Swallow)