Soilwork-The-Ride-Majestic-Album-Cover
  • Release Date: August 28, 2015
  • Catalog No: B010FP0WVQ
  • Label: Nuclear Blast / Warner
  • Type: Metal
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Soilwork – The Ride Majestic

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Galoppierend auf den Melodic-Thron

Als bekannt wurde, dass Soilwork ein neues Album releasen, gab es nicht wenige, die sich verwundert die Augen rieben, hatten sie doch das Gefühl erst vor kurzem vom grandiosen The Living Infinite weggeblasen worden zu sein. Tatsächlich ist dieses Meisterwerk allerdings schon über zwei Jahre alt, keine ungewöhnlich kurze Zeit zwischen zwei Veröffentlichungen. Vielleicht war es die große Hitdichte auf dem Studio-Doppelalbum oder die ausgedehnte Welttournee plus Live-DVD, welche Soilwork immer präsent bleiben ließen. Nun steht jedenfalls The Ride Majestic vor der Tür und bittet blastbeat-klopfend um Einlass. Bleibt die Frage: Unpräziser Schnellschuss oder würdiger Nachfolger?

Von Beginn an fällt auf: Auch wenn mit Markus Wibom ein neuer Bassist am Start ist, macht The Ride Majestic dort weiter, wo The Living Infinite aufgehört hat. Der Titeltrack fängt ruhig mit einer großen Melodie an, die dann von einem knüppelnden Drum-Set und einer mehrstimmigen Gitarrenharmonie gesprengt wird, um im Folgenden in eine Soilwork-typische Strophe überzugehen. Sowohl die gebellten Verse, als auch der Gesang in den Refrains von Björn „Speed“ Strid sind nach wie vor unverkennbar und so ist der Opener ein passender Repräsentant des Albums. Soilwork musizieren auf unheimlich hohem Niveau und schlagen die Brücke zu The Living Infinite mit Bravour.

Als wiederkehrendes Thema wird das Prinzip von Leben und Tod genannt, da jeder in der Band während der Albumproduktion ein Familienmitglied verloren hat. Besonders Death In General zeigt diesen Einfluss eindrucksvoll. In den vielleicht ruhigsten und nachdenklichsten Strophen der Bandgeschichte singt Speed vom Verlust, um dann den Schmerz in einem unfassbaren Refrain in die Welt hinauszuschreien. Dass es die Schweden verstehen Emotionalität in gänsehautprovozierende, aber gänzlich unpeinliche Melodien zu verpacken und das Ganze noch mit einer ordentlichen Portion Härte zu garnieren, beweist Death In General von der ersten Sekunde bis zum flirrenden Gitarren-Fade-Out.

Ausnahmsweise sitzend: Soilwork gönnt sich keine Verschnaufpause (Foto: Hannah Verbeuren 2015)

Ausnahmsweise sitzend: Soilwork gönnt sich keine Verschnaufpause (Foto: Hannah Verbeuren 2015)

Ansonsten geht es weiter mit gewohnter Soilwork-Kost veredelt mit kleinen, aber feinen Besonderheiten. Da wäre beispielsweise ein proggig anmutender Break in Alight In The Aftermath oder ein ungewöhnliches Streicher-Outro bei Enemies In Fidelity, das vom weiterlaufenden Blastbeat aus dem letzten Refrain vorangetrieben wird. Besonders herausgestellt sei übrigens die Schlagzeugdynamik in den Strophen von Petrichor By Sulphur, welche zwischen groovendem Kopfnicken und hyperaktivem Pferdegalopp changiert. Sehr unterhaltsam!

Bei all den großen Melodien wird aber auch auf düstere Momente keinesfalls verzichtet. All Along Echoing Paths kommt aus einer richtig dunklen Straßenecke gekrochen und mit The Phantom gibt es sogar einen Track, der an Behind-Space-Zeiten von In Flames erinnert, nur sehr viel fetter produziert.

Alles in allem ist The Ride Majestic ein konsequenter Nachfolger und hätte als dritte CD eines hypothetischen The Living Infinite-Dreifachalbums ebenso gut funktioniert. Und auch wenn es dem neuen Album der Erdarbeiter so ein wenig an Überraschungen fehlt, kann man ihnen das nicht zum Vorwurf machen, denn sie haben ihren Stil gefunden und der ist unverkennbar und sucht momentan seinesgleichen. Soilwork ist momentan vielleicht DIE Speerspitze des Melodic Death Metal und man hat das Gefühl, dass der Begriff Melodic extra für sie eingesetzt wurde.

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(Marinus Seeleitner)