slipknot
  • Release Date: Oktober 17, 2014
  • Catalog No: B00N0T38LG
  • Label: Roadrunner Records
  • Type: Metal
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Slipknot: 5.: The Gray Chapter

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Wer hätte geglaubt, dass SLIPKNOT tatsächlich noch einmal ein Album veröffentlichen? Nach dem schockierenden Tod von Bassisten Paul Gray und dem vieldiskutierten Rauswurf von Drummerlegende Joey Jordison hatten selbst die hartnäckigsten Fans nicht mehr viel auf die Versprechen der Maskenmänner gegeben – doch nun steht es offiziell in den Regalen: Das fünfte Studioalbum der neun Verrückten aus Iowa.

Bei ‘Sarcastrophe’ und ‘AOV’ versteht man schnell, weshalb die Band ihr Album als Mischung aus ”Iowa” und ”Vol.3” bezeichnete, hier wird rasant klassisches Slipknotgekloppe geliefert, DJ-Parts und Doublebass springen sich gegenseitig in die Presche, das gewisse Etwas fehlt den Tracks jedoch. Erst bei ‘Devil In I’ gelingt den Maskenlegenden die flache Struktur der Songs etwas aufzulockern und Tiefe zu beweisen, die Scheibe legt an Fahrt zu und der SLIPKNOT-Wind pustet gehörig durch die Gänge.
‘Killpop’ entpuppt sich somit – ironischerweise neben dem Intro – schnell als überraschendes Highlight des Albums. Die Brutalität des Songs hält sich zwar in Grenzen und viel mehr stehen hier das groovende Midtempo und die hypnotische Melodie im Fokus, doch genau darin scheinen SLIPKNOT ihre neue Stärke gefunden zu haben. Das mag vielen Fans nicht in den Kram passen, doch die Hoffnung, dass die Herren jemals wieder wie zu „Iowa“-Zeiten klingen werden, haben wir doch – kommt, gebt’s zu! – längst aufgegeben.

(Roadrunner Records)

Scheinbar doch nicht aufzuhalten: SLIPKNOT (Foto: Roadrunner Records)

Denn selbst wenn die Band es versucht, wirklich überzeugen kann sie bei den Hau-Drauf-Songs leider nicht mehr. Stellenweise gelingt die Reproduktion ihres Old School Sounds noch und bei ‘Lech’ oder ‘Nomadic’ kauft man den Maskenmännern ihre Rückbesinnung noch ab, dennoch scheint immer irgendetwas zu fehlen, sei es die düsterblutige Atmosphäre oder manchmal auch einfach nur das Berserkergedresche von good old Joey Jordison.
Nichtsdestotrotz gelingt es SLIPKNOT, ganz neue Wege zu erschließen. Keine Sorge, diese liegen – trotz starkem Fokus auf Melodien – nicht auf demselben Pfad wie Stone Sour, sondern erschaffen ihre eigene kleine Nische, die man von der Band bisher noch nicht kannte. So irritiert der Rockabilly/Punk-Chorus von ‘Skeptic’ zwar im ersten Moment, kommt nach mehrmaligen Höranläufen jedoch weit besser, als das rohe Durcheinander-Gebrüll der Strophen, die trotz Mühe zur Gewalt einfach nicht aus dem Quark kommen wollen.

‘Goodbye’ erschreckt als Ballade, die, nachdem die Gitarren in der Mitte des Stück losbrettern, aber stark an die ‘Vermillion’-Songs erinnert und noch einmal Luftschnappen lässt, bevor das Gebrüll wieder losgeht – dauerhaft unmelodisch bleibt jedoch kein Song, immer wieder werden Refrains eingestreut, die mächtig catchy sind, sodass ‘Nomadic’ beinah wie eine 1:1-Kopie von dem klassischen ‘My Plague’ klingt.
‘Custer’ kann zwar getrost als künftige Hymne bezeichnet werden, die live garantiert die Spinnweben von der Decke fetzt, auf Dauer nervt das „Cut cut cut my up and fuck fuck fuck me up“ allerdings etwas und erinnert an ein aggressives Technolied aus der Thunderdome-Zeit.
Zum Ende hin melden sich wieder die Balladen und hinterlassen einen Rückblick auf die verwüstete Scheibe, die unterm Strich doch ganz anständig zu ballern verstand.

Als Fazit lässt sich demnach sagen: Treue Fans der Maskenmänner werden das Album sicherlich lieben, genauso wie garantiert ist, dass SLIPKNOT-Hasser daran genug zu kritisieren haben. Objektiv betrachtet ist ein solider Mittelweg wohl das Fairste – ”.5 – The Gray Chapter” ist zwar definitiv eins der schwächeren Alben der Band, wenn man jedoch bedenkt, mit welchen Klassikern es zu konkurrieren hat, muss man ihm doch lassen, dass es trotzdem noch weitaus besser ist, als vieles, was sonst so dieses Jahr auf die Menschheit losgelassen wurde.

(Anne Catherine Swallow)

©Sound Infection 2015