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  • Release Date: Februar 05, 2016
  • Catalog No: B017V9260O
  • Label: Keine Liebe Records (Groove Attack)
  • Type: Hip-Hop
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Prinz Pi – Im Westen Nix Neues

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Ein Prinz hat die Schnauze voll

Vor einem Jahr erst reanimierte Friedrich Kautz sein Pöbel-Alter-Ego Prinz Porno, nun schickt er als nachdenklicher, kritischer Prinz Pi weiteren Nachschub in die Plattenläden. Mit der Anlehnung an Erich Maria Remarques Literaturklassiker „Im Westen nichts Neues“, setzt Pi sein neuestes Werk in den Kontext von Krieg, Leid, Resignation und gesellschaftlicher Schuld. Offenbar hat sich seit 1929, dem Jahr, in dem Remarques Antikriegsroman erschienen ist, nicht viel verändert.

Grund zum Optimismus sieht Prinz Pi momentan augenscheinlich nicht. Wortreich und detailliert erzählt er die Geschichte eines bösen Mannes, der nach Aftershave, Kerosin, Marlboro und Jim Beam riecht und dessen Tod für die Angehörigen eine Erleichterung darstellt (Familienalbum Seite 19) oder zeichnet abendliche Gedanken auf einem Parkplatz voller Desillusion (21:04 / Schwarzer Lack).

"Hinter jedem meiner Worte stehen Tage, die waren" - Werte (Foto: PR Landstreicher Booking)

“Hinter jedem meiner Worte stehen Tage, die waren” – Werte (Foto: PR Landstreicher Booking)

Zu den besten Songs gehören der Titeltrack  Im Westen Nix Neues / Tochter und die obligatorische Ich-bin-zurück-Single Weiße Tapete / Minimum, wo Pi behauptet, dass er keinen Fick auf den Rest gibt. Diesen freshen ersten Eindruck kann die komplette Scheibe leider nicht bestätigen, vielleicht, weil Kautz halt doch keinen Fick auf alles geben kann und sich über zu viele gesellschaftliche Missstände aufregen muss. Dies gelingt teils hervorragend wie in Lösung / Gepäck und Schornsteine, einem ungeschönten Kommentar zur deutschen Rüstungsindustrie, leider sind aber auch ein paar Füller dabei, welche das Album unnötig in die Länge ziehen und anstrengen. Diese schaden dem Unterhaltungsfaktor der 16-Song-starken Platte leider ein wenig.

Zwei Songs müssen aber definitiv noch hervorgehoben werden: In Werte und Kartenhaus kommt Pi schnell auf den Punkt, kritisiert die Affinität zu Konformität, Kapital und Materialismus („Die besten Sachen im Leben sind keine Sachen“) und demonstriert, dass er es flow- und reimetechnisch immer noch derbe auf dem Kasten hat. Auch die gesamte Produktion muss gelobt werden, denn wenn es dann doch mal zur Sache geht, knallen die Beats ordentlich. Vor der Gestaltung der CD als perfekte Vinylplatte darf man übrigens auch den Hut ziehen, denn wer gibt sich in Download- und Streamingzeiten noch so viel Mühe? Bravo!

Leider ist alles in allem die Dichte an langsamen, ausufernden Geschichten ein bisschen zu hoch, vier Songs weniger hätten dem Gesamteindruck der Platte gut getan. Auch wenn es abgedroschen klingt, weniger wäre in diesem Fall tatsächlich mehr gewesen. Dennoch zeigt Prinz Pi seine große Rap-Klasse, als eloquenter Storyteller können ihm eh nur Wenige das Wasser reichen. Die angestaute Wut über so manche Machenschaften in der westlichen Welt musste offenbar mal raus. Mal gucken, ob sich die nächsten 90 Jahre wieder nichts verändert.

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(Marinus Seeleitner)

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