Phrasenmäher_-_Wir_wären_dann_so_weit
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Phrasenmäher: Wir wären dann soweit

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Während „Skupop“ für einige vielleicht noch wie eine Verstopfung des Dickdarms klingen mag, wissen Insider längst, um was es sich dabei eigentlich handelt: Nämlich das next big thing der deutschen Musikszene.
PHRASENMÄHER haben innerhalb der letzten Jahre langsam ihr eigenes Loch in der Schubladenwelt gebuddelt, drehen zwar immer ihr eigenes Ding, überschreiten bei ihrem Genretango aber nie die Grenzen so weit, dass man sie nicht als eingängig bezeichnen könnte. Auch wenn sie sich wild aus Pop, Rock, Ska und Folk Ecken bedienen, kommen ihre Stücke doch immer wieder unter der Haube des Humors und der fies authentischen Ehrlichkeit zusammen und wenn sie bitter feststellen „Der ganze Osten heißt Mandy“, dann wettern sie keinesfalls hohl gegen die neuen Bundesländer, sondern schießen gekonnt in alle Richtungen und rechnen mit Klischees und Vorurteilen der gesamten deutschen Republik ab. Während hier musikalisch wilde Countrystimmung herrscht, reißen die drei Wahlhamburger ihr Ruder aber rasch wieder herum und so ist „Der Basilikum ist tot“ (best song title ever, by the way) ein ruhiger Akustiksong mit trauriger, aber sehr authentischer Note, der vom Verlassenwerden erzählt und in Stellen hineinpiekt, die wohl jeder in sich kennt.

Lenne, Jannis und Martin mähen mal wieder majestätisch (Foto: Andreas "Bär" Lasker)

Lenne, Jannis und Martin mähen mal wieder majestätisch (Foto: Andreas “Bär” Lasker)

Bei „Morgensport“ nervt der Reggaebeat zwar etwas, doch wieder ist der Text so ehrlich wie nie, denn wer kennt nicht die „Morgen-mach-ich-wirklich-Sport“-Mentalität, mit der man sich als Couchpotato durchs Leben schwindelt. Und hier kristallisiert sich wieder die Genialität von PHRASENMÄHER heraus, denn wie kaum eine andere Band gelingt es den Gegen-den-Strom-Schwimmern immer, ganz alltägliche Gefühle einzufangen, sie mit einer Prise nicht ganz so alltäglichem Humor zu präsentieren und immer genau ins Schwarze zu treffen – denn spätestens in der Textzeile „Sie wär’ wirklich gern Godzilla, erst alles kaputthauen und danach wär’s stiller“ wird sich jeder Mensch, mit egal welcher Herkunft oder Lebensgeschichte, angesprochen fühlen.

Jannis, Lenne und Martin gelingt es auch auf dieser Scheibe, die kleinen Freuden und Ärgernisse des Lebens zu porträtieren. Und wen hat noch nie die 90er Nostalgie gepackt? Mit schrillem Eurodance Beat unterlegt, erzählt „Peter P. mag die 90er“ eben von den kleinen Dingen dieser Zeit wie Super Mario, Scoobidoo oder Krokodoc, und wird den ein oder anderen garantiert zum Kistendurchwühlen in den Keller jagen. Wer danach noch bereit für weitere Wahrheiten ist, bekommt mit „Schleife“ das horrortriefende Leid eines Telefonanrufers um die Ohren geklatscht, der in der Warteschleife einer Hotline steckt und… naja, ihr kennt das ja. Mit klassikangehauchten Geigen treibt der Song also schon allein beim Zuhören jeden in den altbekannten Wahnsinn.
Als kleines Highlight der Scheibe entpuppt sich jedoch der Ohrwurm „Bordsteinbier“, der die Melancholie eines endenden Partyabends mit schaurigschönem Refrain einfängt und manch einen vielleicht dazu bringt, sich ein wenig alt zu fühlen.

PHRASENMÄHER kombinieren den Witz der Ärzte, die einprägsamen Stimmen und simplen Melodien der frühen Prinzen und spielen auf einen neuen Zenit des deutschen Pop-Rocks hin, der zu Zeiten von ohrenvergewaltigenden Silbermonden oder säuselnden Naidoos schon als unrealistisch galt. Eigentlich muss man nicht einmal auf deutsche Musik stehen, um mit PHRASENMÄHER etwas anfangen zu können, denn die drei Herren bringen eine solche Sympathie und Leichtigkeit mit, dass man Genregrenzen auch gern mal ignoriert. Manchmal sind wir schließlich alle Mandy.

Phrasenmähers Homepage

(Anne Catherine Swallow)