• Release Date: Mai 09, 2014
  • Catalog No: B00JDB4PEY
  • Label: Sony Music
  • Type: Pop
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Michael Jackson: Xscape (Deluxe)

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Michael Light: Die Stimme aus dem Grab

Der König ist tot, es lebe der König! Michael Jackson hat, wie so oft, das Unmögliche möglich gemacht und singt aus dem Reich der (Un)Toten zu uns. Mit „Xscape“ führt der King Of Pop seine Karriere unbeirrt weiter. Einziges Problem: Michael Jackson lebte vom Genie seiner musikalischen Seele und Tote haben eben keine mehr. Das kann auch kein noch so talentierter Produzent überspielen. Deshalb ist „Xscape“ einfach nicht richtig Jackson. Aber es gibt eine Lösung: Liebhaber sollten sich die goldene Deluxe-Version der Platte gönnen, denn da ist noch echter MJ drauf – wenn auch etwas eingestaubt.

Als Michael Jackson 2009 verstarb, hat sicherlich keiner geglaubt, dass das das Letzte war, was wir vom King of Pop hören würden. Die Frage war nur, was in den Grüften der Jackson-Archive noch an ungenutzter Genialität schlief. L.A. Reid, seines Zeichens Boss von Epic Records, stieg in die verstaubten Krypten hinab und sichtete Jackson-Material der letzten 40 Jahre. Er fand Originalaufnahmen mit kompletten Vocals, darunter der Titelsong des neuen Albums „Xscape“ aus dem Jahr 1999 oder die Kollaboration mit Altmeister Paul Anka „Love Never Felt So Good“ im Old-Jackson-Style von 1983.

Daraufhin begann Reid mit dem – wie er es nennt – „Contemporizing“: Die acht ausgewählten Originalaufnahmen für „Xscape“ wurden an Produzenten geschickt, um sie zu überarbeiten und mit aktuellen und modernen Sounds zu versehen. Michael Jacksons künstlerische Essenz sollte natürlich erhalten bleiben.

Ist das gelungen? Jein. Legt man das Album ein, hört man natürlich sofort, wer hier am Werke war; Michael Jackson ist einfach unverwechselbar. Eine lockere Abwechslung ergibt sich aus der Tatsache, dass die Originale aus verschiedenen Epochen stammen und somit Jacksons unterschiedliche Schaffensphasen widerspiegeln. Richtige Highlights sucht man auf „Xscape“ allerdings vergebens und fragt sich unweigerlich, warum es diese Aufnahmen bisher auf kein MJ-Album geschafft haben. Fand der King Of Pop vielleicht selbst, dass sie nicht gut genug waren? Dass sie seinen Standards nicht entsprachen? Dass sie nicht unkonventionell, nicht genial genug waren?

Die Stimme aus dem Grab (Foto: Sony/Epic)

Die Stimme aus dem Grab (Foto: Sony/Epic)

Dramatischer klafft der Graben zwischen Neubearbeitung und Original noch auf, wenn man sich die Deluxe-Version der Platte zu Ohren führt – und dies sei jedem hiermit empfohlen, nicht nur weil die normale Edition lediglich acht Songs vorweisen kann, sondern auch wegen der Michael-Jackson-Originalaufnahmen, die hier beigefügt sind und das Album erheblich aufwerten (plus DVD).

Klar, die Originale sind nicht so hip und frisch, wie uns die Produzenten von „Xscape“ ihre überarbeiteten Versionen verkaufen wollen, aber der Geist Michael Jacksons, das Hitpotential einzelner Werke ist hier hör- und spürbar. Dass neu nicht immer besser ist, beweist „Slave To The Rhythm“, der beste Song des Albums. Michael Jacksons Geschichte einer Frau, die immer nur nach der Pfeife anderer tanzt, schließlich aber ihren eigenen Rhythmus findet, aus dem Jahr 1991 hat im Original richtigen RUMS. Der wird in der aktuellen Version allerdings vollkommen von „modernen“ Sounds überlagert – „Slave To The Rhythm“ wird zum Radio-Dudel-Song. Das Schicksal vieler Songs auf „Xscape“.

WWJD – What Would Jackson Do? Wer weiß, ob Michael Jackson ein solches Album hätte durchgehen lassen; vielleicht hätte es ihm auch außerordentlich gut gefallen. Natürlich klingt „Xscape“ modern, eigentlich sehr nach Justin Timberlake, dessen Musikstil stark durch den King Of Pop geprägt wurde. Aber würde ein Michael Jackson von 2014 wirklich klingen wie ein Justin Timberlake von 2013?

Michael Jackson – offizielle Homepage

(Kathrin Tschorn)