• Release Date: März 04, 2016
  • Catalog No: B019EN4YPU
  • Label: Nesola (Universal Music)
  • Type: Hip-Hop
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Megaloh – Regenmacher

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Badehosen raus, es regnet

Ziemlich genau drei Jahre ist es her, seit Endlich Unendlich der breiten Masse das Potenzial Megalohs präsentiert hat. Der uneingeschränkte Durchbruch blieb trotz sehr guter Kritiker- und Fanresonanz aber aus. Nun lässt der hünenhafte Berliner mit niederländisch-nigerianischen Wurzeln seinen Regenmacher auf Rap-Deutschland los und hat damit vielleicht schon Anfang März den Soundtrack des kommenden Sommers geliefert.

„Alle steigen ein / alle, alle steigen ein“ - Zug (Foto: Robert Winter)

„Alle steigen ein / alle, alle steigen ein“ – Megaloh und sein Zug  (Foto: Robert Winter)

Die Vorabsingle Regenmacher, welche gleichzeitig als Albumeinstieg fungiert, gab mit chilligen Bläsertunes bereits die Richtung vor. Klar von Max Herres NESOLA-Umfeld inspiriert, ziehen sich exotische Sounds und Reggaeeinflüsse über die komplette Platte und machen Lust auf Hängematte und Sonnenschein. Die Aufgabe eines Regenmachers ist es, in dieser heißen Umgebung Leben zu erhalten und Hoffnung zu spenden. Megaloh ist dieser Regenmacher, denn er verleiht mit sensationellen Reimketten und seiner markanten Stimmfarbe nicht nur dem sommerlichen Instrumentalkleid die nötige Portion an Frische, sondern gleich der gesamten Deutschrapszene. Das träge Vegetieren im eigenen Schweiß ist vorbei, der Regenmacher bringt eine angenehme Brise und die herbeigesehnten Gewitterwolken zurück.

Zum Beispiel, wenn Megaloh die Konkurrenz als Zapp Brannigan herausfordert („Bitte wer schafft das nur so ungefähr / die anderen Rapper fucked das ab / habt ihr was, dann kommt doch her“), in Er ist – Voodoo Interlude auf minimalistischem Gerüst den Song allein durch Flow und Stimmvariation trägt oder im trappigen Graulila gemeinsam mit Tua die Hitze verscheucht und sich in eine kühle Scheinwelt transportiert. Auch die emotionale Reise aus Sicht eines Flüchtenden in Wohin (feat. Musa) bringt die nötige Düsternis in die sonnige Atmosphäre des Albums, fügt sich aber dennoch nahtlos in das Gesamtbild ein, ohne ein Fremdkörper zu sein.

Trotz vieler namhafter Featuregäste wie Jan Delay, Max Herre, Joy Denalane, Patrice, MoTrip, Trettmann und Maxim ist Megaloh am stärksten, wenn er seine Songs von Anfang bis Ende alleine beackern kann. So überrollt er im Zug gemächlich aber unaufhaltsam einfach alles, was sich ihm in den Weg stellt, gibt aber jedem die Möglichkeit, einzusteigen und Teil der Reise zu werden. Musikalisch und thematisch ähnlich, aber mit erhöhter Geschwindigkeit, groovt sich Himmel Berühren in die Gehörgänge. Zwei Highlights, die zum Tanzen und Denken anregen.
Überhaupt zeichnet sich Megaloh durch kluge, reflektierte Texte und einer gesunden Mischung aus Selbstbewusstsein und Demut aus. Wo andere Rapper ihre schwere Kindheit als Legitimation für Gewalt und Fehler in der Gegenwart sehen, sieht Megaloh dies als Ansporn, sich immer weiter zu verbessern und seinen eigenen Weg zu finden („Ich stehe viermal auf / fall‘ ich dreimal hin / ich finde einen Weg / dann macht alles einen Sinn / alles was ihr seht, ist nicht alles, was ich bin“Was Ihr Seht).

Megaloh ist ein großartiges Hip-Hop-Album mit allerlei exotischen Einflüssen gelungen, welches sowohl seine Wurzeln als auch seine Zukunft in Einklang bringt. Nach Jahren des Struggles  scheint es, als ob er endlich angekommen ist. Und ganz nebenbei befruchtet er die Szene mit unkonventioneller, aber punktgenauer Technik und frischen Sounds – Regenmacher eben.

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(Marinus Seeleitner)