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  • Release Date: April 18, 2014
  • Catalog No: B00I0HNOQW
  • Label: Ninja Tune/Rough Trade
  • Type: Pop und Singer-Songwriter
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Kelis: Food

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Es ist angerichtet

Dass sich ein ganzes Album um Essen dreht, ist nicht neu. Schon 1996 haben Cibo Matto mit „Viva! La Woman“ ein solches Konzept aufgetischt. Die Amerikanerin Kelis greift nun mit ihrem sechsten Album „Food“ darauf zurück. Anders als der Titel erwarten lässt, ist ihr Werk eine Hommage an die Liebe und all die Gefühle drum herum. Offen und verletzlich präsentiert sich die 34-Jährige als reife Singer-Songwriterin mit ausgefeilten Klangmustern.

Kelis‘ Musik ist offensichtlich wie Käse oder Wein: je älter, desto besser. Die vielfach ausgezeichnete Sängerin hat sich seit „Caught Out There“, der Erfolgssingle aus ihrem Debütalbum, stetig gewandelt und weiterentwickelt. Einigen dürfte sie mit „Food“ zu brav geworden sein, aber eigentlich ist sie nur erwachsen geworden. Irgendwann ist die Zeit vorbei, in der man teeniemäßig jedem „I hate you so much right now“ an den Kopf werfen kann.

Auf „Food“ präsentiert sich Kelis also reifer. Das Singer-Songwriter-Genre mischt sie mit R’n’B-, Soul- und Funk-Elementen auf. Blasinstrumente werden mit Orgel und elektronischen Klängen verrührt, die Texte sind ehrlich und zeigen Kelis verletztlich wie selten zuvor. Eine Reise durch Schmerz, Glück – und alles dazwischen. Transzendenz, Wärme und Tiefe bilden die perfekte Kulisse für ihre soulige Stimme, die mit der Zeit und Erfahrung sogar noch besser geworden ist.

Liebe geht durch den Magen auf Kelis' neuem Album "Food" (Foto: Estevan Oriol)

Liebe geht durch den Magen auf Kelis’ neuem Album “Food” (Foto: Estevan Oriol)

Dabei wartet Kelis mit einigen Überraschungsmenüs auf. Vollkommen unprätentiös stellt sie auf „Food“ ihren eigenen Stil in Frage – oder besser: sie variiert ihn. „Bless The Telephone“ etwa gehört zu den unerwarteten Songs. Vielleicht weil hier der Bezug zum Essen vollständig wegfällt, was auf einem Album, das mit Liedern wie „Breakfast“, „Friday Fish Fry“ und „Jerk Ribs“ aufwartet, an sich schon recht ungewöhnlich ist. „Bless The Telephone“ ist allerdings auch klanglich ein außergewöhnlicher Gaumenschmaus: Lediglich mit Akustikgitarre begleitet, greift Kelis in reduzierter Singer-Songwriter-Manier zärtlich die Essenz eines liebevollen Telefonats:

„Strange how a phone call can change your day.”

Unter den 13 Tracks sticht auch die Single „Rumble” hervor, ein R’n’B-angehauchter Popsong zum Mitsingen. Mit Essen soll man zwar nicht spielen, aber mit „Food“ kann man eine Menge Spaß haben. Das Album ist viel tiefgründiger, als man vielleicht beim Namen und zahlreichen Songtiteln erwarten würde. Aber das Leben dreht sich nun mal um Essen – ohne Kraftstoff funktionieren wir nicht. Kelis hat diese Verbindung musikalisch eingekocht, kluge Texte an abwechslungsreichem Sound angerichtet und mit ihrer ausgereiften Stimme garniert.

Kelis – offizielle Homepage
Kelis – Facebook

(Kathrin Tschorn)

©Sound Infection 2015