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  • Release Date: Mai 22, 2015
  • Catalog No: B00UW6AGY2
  • Label: Columbia Deutschland/Sony Music
  • Type: Electro und Rock
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Exclusive: Neuer Mensch

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Das exklusive Aufbegehren

An Selbstvertrauen mangelt es der Electro-Indie-Band Exclusive nicht. Vermittelt allein der Bandname bereits ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, legt der aktuelle Pressetext nochmal eine Schippe drauf. Hier wird das Quintett mit Clubs, in welche nicht jeder reinkommt in Relation gesetzt und es wird festgestellt: Für Exclusive musst du bereit sein. Dass sich ambitionierte Newcomer gerne als den neuen, großen Stern am Musikhimmel jenseits von Genreformulierungen und Schubladendenken darstellen, ist nicht gerade innovativ, im Falle der fünf Münchner aber sogar gerechtfertigt. Das aktuelle Album Neuer Mensch unterstreicht dies eindrucksvoll.

2008 fing die Schülerband The Exclusive im typisch -britischen Indiesoundgewand à la The Kooks an, sich in München einen Namen zu machen und spielte unter anderem im legendären, mittlerweile geschlossenen Atomic Café. Im Rahmen ihres Debütalbums Nachtmensch strich sie 2012 den fast schon obligatorischen Artikel für Indiebands aus ihrem Namen und erweiterte ihren Sound um Synthesizer und elektronische Beats. Ein Platz in der Sendung on3-Startrampe des Bayerischen Rundfunks war der Lohn sowie der Gewinn des New Music Awards 2013, welchen die Jahre zuvor bereits Bands wie Kraftklub oder Bonaparte einheimsen konnten.

Neuer Mensch ist dabei der nächste Evolutionsschritt. Die elektronischen Klänge sind druckvoller, die Melodien noch eingängiger und das Album verliert zu keiner Zeit seine Wirkung als in sich geschlossenes Werk. Der Titeltrack, welcher als Opener fungiert, zeigt sich dabei als besonders exemplarisch für den Sound von Exclusive. Ein dramatischer Einstieg mit Synthie und Klavier, gefolgt von einem elektronischen Abriss, der schon fast ein wenig an Enter Shikari erinnert, und dazu die gewöhnungsbedürftige Reibeisenstimme von Sänger Fabian Bottler, der zwischen Sehnsucht und Rebellion proklamiert: „Jetzt bin ich hier“. Auch live funktioniert dieser Song optimal als Beginn des Konzerts, denn schon auf der Platte animiert er zum Abgehen und liefert den vertonten Neustart der Band.

Posen fast so gut, wie sie musizieren: Exclusive (Promobild Sony Music, Foto: Olaf Heine 2015)

Posen fast so gut, wie sie musizieren: Exclusive (Promobild Sony Music, Foto: Olaf Heine 2015)

Der Song Exclusive feiert anschließend die Freundschaft und den Zusammenhalt der fünf Jungs und dürfte für sie selbst eine Art bandeigene Hymne darstellen. Dabei sticht besonders in den Strophen der funky Slap-Bass von Markus Harbauer hervor.

Die folgende Halbballade Bruder fällt im Gesamtkontext des Albums leider ab, allerdings kann man ihr die Radiotauglichkeit nicht absprechen, weshalb die Wahl als erste Singleauskopplung zwar schade, aber nicht unverständlich erscheint. Aus einem durchgängig starken Block in der Mitte des Albums kristallisieren sich dann vor allem Spieler, Ohne dich und Augen als Highlights heraus.

Wo sich tanzbare Elektronikklänge mit großen Rockgesten verbinden, wird das Potential von Exclusive erst richtig deutlich, aber auch die leiseren Töne, wie in Nachtflug und Die Zeit läuft, sowie im letzten Song Leben Lang, einer Hymne auf das Streben nach Glück, wissen zu überzeugen. Dabei spielt Bottler die Melancholie in seiner Stimme voll aus und schickt den Hörer in die wunderschön-beängstigende Orientierungslosigkeit der eigenen Jugend, wo sich Freiheit und Selbstzweifel die Hand geben. Im Kontext dieser adoleszenten Phase der Identitätsfindung stören auch die meist einfach gehaltenen Lyrics kaum. Ganz im Sinne des Sturm und Drangs begehrt der Nachwuchs auf, reißt Grenzen ein und schreit seine Gefühle unverblümt in die Welt hinaus.

Bottlers Organ, das man wohl unter Tausenden erkennen würde, ist es auch, was den Sound von Exclusive letztendlich ausmacht. Wer mit seiner Art zu singen und zu schreien, nichts anfangen kann, wird sich auch von den instrumentalen Stärken der Band nicht überzeugen lassen, denn Bottler ist stets präsent und drückt jedem Song seinen Stempel auf. Wer die Vocals des Frontmanns aber feiert, der darf gespannt die weitere Karriere der jungen Münchner verfolgen. Potential und Ambitionen sind da, jetzt muss die Welt nur noch dafür bereit sein.

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(Marinus Seeleitner)