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Eivør: Bridges

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Brücken schlagen

Obwohl Eivør als „färöische Björk“ bekannt ist, bezieht sich dieser Spitzname vornehmlich auf das künstlerisch hohe Niveau, das die Färöerin auf ihren Veröffentlichungen erreicht. Björks Musikstil streift Eivør nur am Rande, ist ihr Repertoire auf „Bridges“ doch wesentlich breiter, springt sie zwischen verschiedenen Genres hin und her und beweist wieder einmal, dass sie eine der größten Künstlerinnen unserer Zeit ist.

Eivør (gesprochen: Eivör) Pálsdóttir ist gebürtige Färöerin – das sind diese Inseln, gegen die wir immer im Fußball gewinnen. Mit 16 wurde sie zur Berufsmusikerin und veröffentlichte 2000 ihr erstes Soloalbum. Viele ihrer Songs sind auf Färöisch oder Isländisch; in letzter Zeit tendiert Eivør allerdings vermehrt dazu, auf Englisch zu singen. Obwohl sie bereits über zehn Alben veröffentlicht hat, sind bisher nur zwei davon offiziell in Deutschland erschienen – eines davon ist ihre neue Platte „Bridges“.

Und selten hat ein Albumtitel besser gepasst. Wenn man in einem Land aufwächst, dass aus 18 Inseln besteht, dann weiß man, wie wichtig diese Verbindungselemente sind. Die neun Tracks handeln allerdings eher von Brücken im metaphysischen Sinne: mentale Verbindungen zwischen Menschen und Erinnerungen – zwischen der Heimat und der Ferne.

Neue Töne von den Färöern: Eivør Pálsdóttir (Foto: eivor.com)

Neue Töne von den Färöern: Eivør Pálsdóttir (Foto: eivor.com)

Nicht nur in verschiedenen Ländern fühlt sich Eivør zu Hause – sie verbrachte einige Zeit auf Island und wurde dort 2003 trotz ihrer Herkunft mit dem Titel „Isländische Sängerin des Jahres“ geehrt –, auch bei ihren Arrangements auf „Bridges“ wechselt sie spielerisch zwischen verschiedenen Möglichkeiten ihres Könnens. Das macht es schwierig, „Bridges“ überhaupt in ein Genre einzuordnen. Eivørs Spektrum reicht von Jazz über Folk, Ethnopop bis hin zu Trip-Hop, bedient sich aber auch in der Klassik und Kirchenmusik. Und all dies findet sich dann auf einem einzigen Album wieder – ziemlich beeindruckend.

Dabei versprüht die 31-Jährige diesen zerbrechlichen Charme und die kühle Distanz, wie sie so viele ihrer skandinavischen Kolleginnen besitzen. Düster, aber leichtfüßig besingt sie Liebe und Verlust, Erinnerungen und Freiheit. Inspiriert wird sie dabei von den nordischen Kulturen und Landschaften, musikalisch getragen von Streichern und reduzierten, aber zentralen Beats.

„Bridges“ ist die natürliche Weiterentwicklung einer Vollblutkünstlerin, die sich auf ihre eigenen Wurzeln besinnt und ihrem Werk damit eine Authentizität verleiht, wie man sie auf dem heutigen Musikmarkt nur noch selten zu hören bekommt. Eivør gehört ohne Zweifel zu den begabtesten Musikerinnen unserer Zeit.

Eivør – offizielle Homepage
Eivør – Facebook

(Kathrin Tschorn)

©Sound Infection 2015