dreamtheater
  • Release Date: September 26, 2014
  • Catalog No: B00MUDYJ5W
  • Label: Warner Music
  • Type: Metal und Rock
Jetzt bei Amazon bestellen!

Dream Theater: Breaking The Fourth Wall (Live DVD)

Rating:

Keine Konkurrenz für Metallicas “S&M”

Kein Jahr ist vergangen seit dem Release ihrer letzten, gefeierten Live-DVD „Live At Luna Park“, das die Prog-Götter erstmals ohne Mike Portnoy an den Drums in Aktion zeigte. Doch um nun die Songs ihres letzten, selbstbetitelten Albums noch einmal gebührend in Szene zu setzen, veröffentlichen die die Amerikaner am 26. September einen weiteren Livemitschnitt, der nicht nur ein Heimspiel für Dream Theater darstellte, sondern auch vom Chor und Orchester des Berklee Colleges begleitet wurde, auf dem John Myung und John Petrucci ihren Abschluss gemacht hatten. So viel zu den harten Fakten.

Mit dem grandiosen Melodienkonstrukt „The Enemy Inside“ von ihrem letzten Release starten die Herren also ihr vielversprechendes Set und zeigen sich gleich in gewohnt aufwändiger, virtuoser Dream Theater Manier. Dass James LaBrie sich nach wie vor auf der Bühne bewegt, wie ein unkoordinierter Ast, kann man ihm auf Grund seiner Engelsstimme noch verzeihen, was allerdings schnell störend auffällt, ist die Bildqualität – durch die gesamte Aufnahme hindurch ziehen sich pixelige Streifen, besonders sichtbar an den Musikern selbst, sodass ich erst an der Leistung meines PCs zweifelte. Doch da dies nicht nur auf einem, sondern gleich zwei Rechnern der Fall war und beide sich, Gott bewahre, absolut nicht mehr auf dem Niveau von Windows 95 befinden, stellte sich schnell die Frage: Ist das Kunst oder kann das weg?

Mit ihrer sonst gewohnten revilutionären Genialität sparen Dream Theater auf dieser DVD leider (Foto: Screenshot/Warner Music)

Mit ihrer sonst gewohnten revilutionären Genialität sparen Dream Theater auf dieser DVD leider (Foto: Screenshot/Warner Music)

Wie gesagt, da ich es mir nach wie vor nicht erklären kann, möchte ich nicht ausschließen, dass es durch irgendwelche Hardwaremängel bedingt ist, doch Fakt bleibt, dass das gesamte Konzert auf meinem Fernseher aussieht, als sei es von einer Kinoleinwand abgefilmt.

Nevermind – John Petruccis Gitarrensoli und allein der Anblick von Mike Manginis monstruösen Drumset von der Größe einer Ein-Zimmer-Wohnung reißen den zuschauer schnell in das Konzertgeschehen zurück und besonders die Tracks des letzten Albums entpuppen sich als fantastische Livesongs, deren Spieltechnik beinah schon furchteinflößend und übermenschlich wirkt – aber dennoch stets eingängig bleibt.

Doch Moment – war da nicht irgendwo die Rede von einer phänomenalen Kooperation mit dem Berklee Collegeorchester und Chor? Die erste der beiden DVDs neigt sich dem Ende und von Geigen und Trompeten keine Spur. Weiterhin wird die Band lediglich optisch von Videosequenzen im Hintergrund der Bühne begleitet. Sicherlich gut und sehenswert, doch mal ernsthaft, wo bleibt die versprochene Bombastik?
Nach 155 (!) Minuten erscheint es dann endlich auf der Bildfläche – das lang herbeigesehnte Orchester. Der Chor! Und der – wenn auch nur eingebildete – Funkenregen. Akustische Orgasmen explodieren in den Ohren, Songs werden neu erfunden, ja, Dream Theater wird neu erfunden, aber was passiert? Tja, nicht viel. Stolze 19 Minuten (!) pure Ekstase gönnt die Band ihren Fans, dann ist das Konzert vorbei, das Publikum springt von seinen Sitzen auf, tobt, dies nützt aber recht wenig, denn das Konzert ist immer noch vorbei.

Es hätte das nächste „S&M“ werden können, eine völlig neue Definition von grandiosem Prog – stattdessen ist es einfach nur eine Dream Theater DVD. Was sicherlich schon Grund genug ist, sie zu kaufen, auch wenn die Bonusmaterialien ebenfalls zu Wünschen übrig lassen. Von einer Band, die stets neue Maßstäbe setzt, um sie dann zu brechen, wäre wesentlich mehr zu erwarten gewesen. Denn die vierte Dimension knacken sie mit diesem Release leider nicht.

(Anne Catherine Swallow)

©Sound Infection 2015