Erschienen bei Razor & Tie
  • Release Date: April 04, 2014
  • Catalog No: B00IBQ5MUS
  • Label: Razor & Tie
  • Type: Metal, Punk, und Rock
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Chiodos: Devil

Rating:

Wenn der Teufel aus dem CD-Regal grinst

Dass es nichts Besseres gibt, als die freie Stelle des Sängers mit dem bisherigen Sänger neu zu besetzen, bewiesen die amerikanischen Post-Hardcore Jungs von Chiodos. Was zuerst klingt wie mexikanische Frühstücksflakes, ist eine Truppe aus Michigan, die sich mit ihrem vierten Album „Devil“ erneut gekonnt von der Masse abhebt.

Mit bedeutungsschwangerem, anmutigen Klaviersolo wiegt das Sextett seine Hörer in trügender Sicherheit, bis „We’re Talking About Practice“ die Welt erschüttern lässt. Im harten Gitarrenregen bricht die Apokalypse los und bereits bei den ersten Songs wird deutlich, dass Craig Owens ein kleines Vocalwunderkind ist und seine Stimme dermaßen variieren kann, dass man oftmals den Eindruck hat, da prügeln sich drei verschiedene Leute um das Mikro.

Post-Hardcore aus Michigan von CHIODOS (Foto: Graham Fielder)

Post-Hardcore aus Michigan von CHIODOS (Foto: Graham Fielder)

Auch die vereinzelten Synthieparts verleihen den Songs eine geniale Mehrdimensionalität und lassen den rotzigen Post-Punk atmen. Dieser überraschend melodische Faden, der gelegentlich an Melodic Death Metal erinnert, zieht sich auch weiter durch das Album und immer, wenn der Gesang von Craig Owens leidenden Emoparts auffährt, prügeln die zackigen Gitarren ihn wieder zurück in den Käfig und verhindern somit, dass die Band in den unschönen Pool der geklonten Emo-Acts abrutscht.

Wo aus heiterem Himmel plötzlich die Streicher-Passagen herkommen, weiß zwar kein Mensch, aber sie sind großartig – und möglicherweise Produzent David Bottrills Idee, der bereits hörbar seine Fingerchen bei Tool oder Muse im Spiel hatte.

Ein ohrwurmlastiger Hit jagt hier den anderen, was jedoch dazu führt, dass die wenigen Songs, die schwächeln, umso deutlicher auffallen. „3 AM“ klingt gewaltig nach einem nachträglichen Beitrag zu den American Pie Soundtracks und somit fad und ausgelutscht, während der Nachfolger „Sunny Days & Hand Grenades“ wiederum zu einem herrlichen Psychozirkus mutiert, der sich locker hundert Mal auf Heavy Rotation spielen lässt, ohne jemals langweilig zu werden.
Dennoch trifft man unter den 13 Tracks immer mal wieder auf Momente, die schon zu oft da gewesen sind und an Bands erinnern, die die kleine Teenie-Schwester ununterbrochen durch ihr Zimmer plärren lässt. Kann man mögen. Muss man aber nicht.

Nur knapp segeln Chiodos deshalb an einer Fünf-Sterne-Wertung vorbei, trotzdem macht das Album im Ganzen betrachtet, seinem Namen noch alle Ehre und ist ein wahrhaft waghalsiger Teufel, der schelmisch grinsend seine Zähnchen wetzt.

https://www.youtube.com/watch?v=teChzajGg3s

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(Anne Catherine Swallow)

©Sound Infection 2015