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  • Release Date: August 08, 2014
  • Catalog No: B00IGGAE9W
  • Label: Warner Music
  • Type: Pop und Rock
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Bear Hands: Distraction

Rating:

Aber nicht zu sehr

Pop, aber nicht zu sehr. Rock, aber nicht zu sehr. Alternative, aber nicht zu sehr. Post-Punk, aber nicht zu sehr. Indietronic, aber nicht zu sehr. So lässt sich Bear Hands‘ aktuelle Platte „Distraction“ zusammenfassen – aber nicht zu sehr. Das Zweitlingswerk zeigt, aus welchem Holz die Jungs aus Brooklyn geschnitzt sind. Musikalisch bei den Wurzeln geblieben, aber qualitativ einige Sprossen auf der Leiter nach oben geklettert.

Bei Bear Hands herrschte schon immer das Recht des Stärkeren. Wer die größere Bärentatze hat, gewinnt. So schaute sich Gründungsmitglied Dylan Rau dann auch seine Bandkollegen aus:

„Du musst Leute von anderen Bands abwerben. Du erspähst sie und drängst die anderen Leute weg, wie schwache Antilopen.“

Gemeinsam mit Gitarrist Ted Feldman, Bassist Val Loper und TJ Orscher an den Drums veröffentlichte Gitarrist und Sänger Rau 2010 schließlich das Debüt „Burning Bush Supper Club“, aber weiter ging es dann erstmal nicht – zu viele Alltagsprobleme. Diese Thematik greift der Nachfolger „Distraction“ auf.

„Es geht darum, dass man den Anschluss an die Realität verliert“, sagt Dylan Rau zur Idee hinter der neuen Platte. „Viele Dinge lenken uns ab: Drogen nehmen, trinken, Reality-TV, gutes Essen, das Internet.“

Daher basieren auch zahlreiche Songs auf dem Album auf echten Erlebnissen. Die erste Single „Agora“ beispielsweise dreht sich um Dylan Raus Agoraphobie, wegen derer er kaum noch das Haus verlassen konnte.

Rohe Popmusik aus Brooklyn: Bear Hands (Foto: WMG)

Rohe Popmusik aus Brooklyn: Bear Hands (Foto: WMG)

Ein anderes beliebtes Thema auf „Distraction“ sind scheiternde Beziehungen. „Thought Wrong“ erzählt von einer Zeit, in der sich zwei Mitglieder der Band in heftigen Beziehungskrisen befanden, während „Vile Iowa“ das Erlebnis Dylan Raus verarbeitet, die Familie seiner Ex-Freundin zu besuchen – konservative, abstinent lebende Mormonen.

Musikalisch treffen bei Bear Hands Welten aufeinander, vermischen sich aber auch harmonisch. Schon die Charaktere der Bandmitglieder sind so unterschiedlich, dass sich etwas anderes gar nicht vorstellen lässt. Kreativ verpackt die Band aus Brooklyn ihre Popmusik, die zwar immer von anderen Genres beeinflusst wird, aber dabei stets herzhafter Pop bleibt.

„Wir haben immer angestrebt, Pop-Songs zu schreiben. Denn das sind wir einfach“, sagt Ted Feldman.

Hier und da fehlt noch eine klitzekleine Prise zur Perfektion. Bear Hands sind jedoch eine positive Überraschung, vor allem weil irgendwie alles ein bisschen anders klingt, als man vermutet, wenn man das Album zum ersten Mal in den Händen hält – aber nicht zu sehr.

Bear Hands – offizielle Homepage
Bear Hands – Facebook

(Kathrin Tschorn)

©Sound Infection 2015