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D.A.D-64

D-A-D: Schwedische Rock-Gören und dänische Friseurverweigerer

Riskin’ It All For The Pilgrims – 2 Classic Albums In 1 Night 2016 – live in München
Samstag, 30.04.2016, Backstage Werk
Support: Thundermother

Für Rockfans, welche in der glorreichen Ära der Achtziger aufwuchsen, war dieser Samstag, der 30.04.2016 im Münchner Backstage Werk ein absoluter Pflichttermin. D-A-D, ehemals Disneyland After Dark, ließen an diesem Abend gleich zwei komplette Alben vom Stapel.

Thundermother

Thundermother

Das Backstage Werk war vielleicht bis zur Hälfte gefüllt, als schon kurz vor 20:00 Uhr fünf optische, weibliche Leckerbissen, die auf den Namen Thundermother hörten, die Bühne eroberten. Und die Damen knallten auch gleich ordentlich los. Das aus Schweden stammende Quintett rockt seit 2012 durch die Gegend und weiß genau, welche Hebel es in Bewegung setzen muss, um das zum größten Teil testosterongesteuerte Publikum in Wallungen zu bringen. Der Sound der Mädels erinnert an Rose Tattoo und AC/DC und brachte den meist schon in die Jahre gekommenen Fans, ein fettes Grinsen ins Gesicht. Sängerin Claire wirbelte über die Bühne und geizte nicht mit ihren Reizen. Ihre dreckige, rotzige Röhre passte bestens zum Klischee des Sex, Drugs & Rock’n‘ Roll und verlieh dem ganzen Auftritt noch einen leicht verruchten Touch. Und wie es sich für richtige Rock-Gören gehörte, wurde mit der Bierflasche die Klampfe bearbeitet und anschließend der Gerstensaft auf Ex in die Kehle geschüttet. Klasse Auftritt.

D-A-D

D-A-D

Mit dem Alter wird man ja bekanntlich träge und so füllte sich das Backstage erst richtig kurz vor dem Auftritt des Headliners, und es war schön zu sehen, dass es D-A-D immer noch schaffen ihre schon betagteren Anhänger aus dem beschaulichen Heim zu locken. Immerhin gab es zwei Alben auf die Ohren und als Sänger und Fronter Jesper und seine Mannen die Bühne enterten, begann wohl für den Großteil der Fans eine Zeitreise und man fühlte sich schlagartig wieder wie siebzehn. Die Stimmung war von Anfang an bestens und der Funke sprang von der Band direkt auf die Fans über. Als Jesper „I won’t cut my hair” ins Mikro röhrte, sangen die Bayern “coz I’m proud of my hair” im Chor, auch wenn sich bei dem einen oder anderen die Matte schon schwer lichtete oder schier gar nicht mehr vorhanden war. Die Fans waren erstaunlich textsicher und grölten mit D-A-D jeden Song um die Wette. Nach dem ersten Album gab es eine kurze Pause von 15 Minuten, in denen sich die Herren noch einmal komplett neu in Schale warfen. Absoluter Blickfang der Band war Basser und Band-Kasper Stig Pedersen mit seinen ausgefallenen Outfits, welches im ersten Teil an einen Pirat erinnerte und im zweiten Teil eher an ein Musketier. Doch absolutes Highlight waren seine extravaganten Bässe z.B. in Form einer Cadillac-Heckflosse, leuchtende Rücklichter inklusive, einer Rakete, ein durchsichtiger Plexiglas Bass, welcher wahlweise blau oder rot leuchtete, oder das Bandmaskottchen, um hier nur einige zu nennen. Jesper würzte den Auftritt noch mit seine netten Ansagen und kleinen Anekdoten in einem Kauderwelsch aus deutsch und englisch. Die Dänen sind einfach durch und durch sympathisch.

D-A-D haben mit diesem Auftritt gezeigt, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören, auch wenn man die beiden gespielten Alben schon getrost als Klassiker bezeichnen darf. Ihre Shows sind kurzweilig und an Unterhaltungswert kaum zu überbieten. Wir freuen uns schon auf das nächste Mal.

(Sandra Baumgartl)

©Sound Infection 2015