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Behind The Scenes: Starfotograf Tim Tronckoe

Was auf der Bühne geschieht und als fertiges Album im CD-Regal steht, kann jeder sehen. Doch wie die kleinen Zahnrädchen in der Szene laufen, wer welche Aufgaben managt, wie diese aussehen und was ihr wissen müsst, wenn ihr selbst einen Job im Musikbusiness anstrebt, wollen wir euch hier in verschiedenen Interviews liefern. Um die kleine Reihe zu starten, gibt’s erst einmal eins auf die Glubscher…

Sound Infections Behind The Scenes: Starfotografen

Feuer und Flamme für Epica - Fotograf Tim Tronckoe mag's heiß

Feuer und Flamme für Epica – Fotograf Tim Tronckoe mag’s heiß

Ob Nightwish, Slayer, KISS, KoRn, Guns n’ Roses oder Urgestein Doro – dieser Mann hatte sie alle. Wer sich Promofotografien von Bands im Internet anschaut, Albumbooklets durchblättert oder gelegentlich Rockmagazine ist der Hand hält, ist mit absoluter Garantie schon einmal über Bilder gestoßen, die aus der Kamera dieses jungen Belgiers stammen: TIM TRONCKOE. Obwohl er erst vor 23 Jahren auf diese Welt gespuckt wurde, zählt der sympathische Brillenträger bereits zu den angesagtesten europäischen Fotografen der Rock- und Metal-Szene.

Wie man also dazu kommt, für Bands Editorial Shoots machen zu dürfen, wie die Arbeit am Set aussieht und wie vielleicht auch eines Tages dein Foto es auf die Titelseite des Metal Hammers schafft, erfahrt ihr hier im Mailer-Interview:

Anne: Wie genau läuft es ab, wenn du einen Shoot hast – kommst du mit konkreten Ideen ans Set, wie Musiker für deine Fotos posieren sollen oder lässt du den Leuten freien Lauf und legst einfach los?

Tim Tronckoe: Es kommt immer auf das Fotoshooting an, das wir gerade machen. Wenn Fotos zu Promozwecken oder gar für ein Albumartwork gemacht werden, müssen sie ja lange im Umlauf bleiben und brauchen deshalb viel Planung und Kommunikation. Deshalb ist es wichtig, sich vorher mit dem Künstler hinzusetzen und Ideen auszutauschen.
Die meisten Fotos werden aber für Magazine benötigt und da ist ein Shoot meist auf zehn oder sogar nur fünf Minuten limitiert. Natürlich versuche ich auch hier, mir immer etwas Neues einfallen zu lassen und die Bilder kreativ zu inszenieren, aber das ist natürlich nicht immer leicht. Soll es ja auch nicht sein, oder? Leicht wäre langweilig.

Ein weiteres Fotos, das jeder Nightwish Fan kennen sollte (Tim Tronckoe)

Ein weiteres Fotos, das jeder Nightwish Fan kennen müsste (Tim Tronckoe)

Wie kamst du denn an deinen ersten Auftrag mit einer Band damals?

Ich war 17, als ich mein erstes Porträt Shooting machte. Ich habe einfach die Band gefragt, was sie von der Idee halten und die fanden es cool.

Du hast mit unzähligen internationalen Bands zusammengearbeitet, doch was war bisher dein persönliches Highlight?

Da gab es viele. Wenn ich mich aber für zwei entscheiden müsste, würde ich sagen: 1) Die neuen Slayer Bilder zu machen und 2) die letzten Epica Promo Fotos, die mit den Flammen im Hintergrund und änhlichem Schnickschnack [siehe Foto weiter oben]. Beides hat viel Vorbereitung benötigt, aber umso erfüllender war es dann, als alles so klappte, wie ich wollte. Es ist immer toll mit talentierten Menschen zusammenarbeiten zu dürfen, sei es vor oder hinter der Kamera.

Dein Slayer Foto hat es ja sogar auf die Titelseite des Metal Hammer geschafft diesen Monat, nochmals Glückwunsch hierzu! Wie kam das denn zustande, kontaktiert ein Magazin dich und fragt, ob es deine Fotos verwenden darf, sendet ein Fotograf die Bilder selbst ein oder wurdest du sogar gebeten, ein Editorial Shoot für Metal Hammer zu machen?

Metal Hammer wusste, dass ich diese Fotos geschossen hatte und fragte mich daraufhin, ob sie sie für das Cover und ihre Titelstory verwenden dürfen – sie haben mich einfach kontaktiert, wir haben ein paar Details dazu besprochen und das war’s eigentlich auch schon.

Den Geist und das Image eines Künstlers in einem Foto einzufangen ist immer eine schwierige Aufgabe. Wie bereitest du dich genau auf einen Shoot vor und wie lange dauert es, bis du die perfekte Idee im Kopf ausgeklügelt hast?

Death Angel live (Tim Tronckoe)

Death Angel live (Tim Tronckoe)

Das kommt wirklich ganz auf den Künstler an. Leute wie Emily Autumn zum Beispiel brauchen kaum Vorbereitung. Ich weiß genau, was sie tut und sie hat immer wieder neue, einzigartige Ideen, die sie dann vor Ort einbringt und es passt jedes Mal perfekt.
Für andere Bands ist das manchmal schwieriger und ich brainstorme viel, schreibe Ideen auf, suche Inspirationen in Büchern, Liedern oder anderen Fotografien…

Wie viel Zeit investierst du durchschnittlich in die Nachbearbeitung von Fotos? Und welche Ratschläge würdest du angehenden Fotografen geben, wenn sie mit Photoshop herumexperimentieren?

Im Durchschnitt sitze ich an einem Promobild etwa zwanzig Minuten, manchmal mehr, manchmal weniger. Mein Rat wäre jedoch, dass Leute wissen sollten, wie ein Bild auszusehen hat, bevor sie es schießen. Am besten man hat vorweg eine Vision davon und weiß, wie das eigene Equipment am besten einzusetzen ist – wenn diese Aspekte gegeben sind, kann man Stunden an Zeit bei der Nachbearbeitung sparen. Also: Viel üben und herumexperimentieren, dann lernt man die eigene Kamera auch am besten kennen.

Wie viele Shootanfragen bekommst du pro Monat und wie viele Konzerte besuchst du, um dort zu arbeiten?

Ich besuche etwa 80 Konzerte pro Jahr, ohne Festivals mit eingerechnet. Und Fotoshoots mache ich eigentlich so viele, wie ich nur in meinen Terminkalender gequetscht bekomme, auch wenn der momentan schon langsam überquillt.

Du machst ja auch nicht alles bei dir in Belgien sondern reist sehr viel um die Welt hierfür. Was war denn der längste Weg, den du zu einem Job hinter dich bringen musstest?

Griechenland war, glaube ich, das Weiteste bisher. Aber im Juli steht ein Shoot in den USA an, das wird total genial und ich hoffe, dass ich in Zukunft noch mehr Jobs außerhalb von Europa bekomme.

Wie stoßen Bands normalerweise auf dich, sehen sie dein Portfolio online oder deine Bilder in einem Magazin und kontaktieren dich daraufhin? Oder arbeitest du eng zusammen mit beispielsweise Nuclear Blast, sodass diese dich weiterempfehlen, wenn sie wissen, dass eine Band neue Promofotos möchte?

Eine Mischung aus allem eigentlich. Manchmal erhalte ich meine Aufträge von Magazinen, manchmal arbeite ich aber auch direkt für eine Band oder ihr Plattenlabel. Tollerweise sind da eine Menge netter Leute dabei, die mich jedes Mal weiterempfehlen, wenn sie von einem anderen Act hören, dass er dringend Fotos benötigt.

Ist das geil oder ist das geil? Ghost spielen Tischfußball gegen Trivium (Foto: Tim Tronckoe)

Ist das geil oder ist das geil? Ghost spielen Tischfußball gegen Trivium (Foto: Tim Tronckoe)

Es gibt dieses fantastische Bild von dir, das die Bands Ghost und Trivium in voller Montage zeigt, wie sie gegeneinander Tischfußball spielen. Wie entstand dieses Foto?

Wenn ich mich recht erinnere, war es die Idee beider Bands, das so zu inszenieren. Eigentlich machten wir einen normalen Shoot, bis einer von ihnen auf den Gedanken kam, dass man irgendwas total Abgedrehtes machen sollte, was keiner erwartet. Dabei kam dann dieses Bild zustande, das sich wild durch das ganze Internet verbreitete. Willst du wissen, wer das Match gewonnen hat? Dann musst du wohl leider die Musiker selbst fragen.

 

Vielen Dank an Tim! Für mehr Infos und geniale Bilder bitte hier entlang:
Tim Tronckoe Homepage
Tim Tronckoe Facebook

(Interview: Anne Catherine Swallow)