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ATTILA – Mosh-Party mit Hip Hop Attitüde

Attila – The European Chaos Tour 2017
Dienstag, 25.04.2017 Backstage, Halle
Support: Carcer City, The Word Alive

Der April neigte sich seinem Ende entgegen und drehte wettertechnisch noch einmal richtig auf. Es goss wie aus Eimern an diesem Dienstag, dem 25.04.2017, und auch Frau Holle durfte sich am nächsten Tag noch einmal gewaltig austoben.

 

In der Backstage Halle war es noch recht übersichtlich als Carcer City die Bühne in Beschlag nahmen. Die Band hämmerte ihren Metalcore in die Meute, doch München ließ sich nicht so schnell aus der Reserve locken. Sänger Patrick Pinion brüllte sich zwar die Seele aus dem schmächtigen Leib und poste wie ein ganz Großer, doch posen und brüllen reicht manchmal einfach nicht aus, um die Fans in Wallungen zu bringen. Und auch das gefühlte zehn-minütige „anbiedern“ des Merchs am Ende vom Gig hätte man sich schenken können.

Ein ganz anderes Kaliber waren anschließend The Word Alive. Von der ersten Minute an hatten Sie die Fans im Griff undA Word Alive_-6 es wurde vor- und auf der Bühne gemosht und gesprungen und es bildeten sich immer wieder kleine Circle Pits. Aushängeschild der Band ist ganz klar Sänger Tyler Smith. Von cleanen Vocals bis markerschütternden Gekreische strapazierte er seine Stimme bei jedem Song und stand dabei keine Sekunde still. Das Quartett sprühte vor Energie und diese übertrug sich direkt aufs Publikum, fliegende Haare und Fäuste inklusive. Und mit der Stimmung stieg auch die Temperatur in der Halle rasant an.

Attila-6Nach einer letzten Umbaupause gingen jetzt die Fans am Bühnenrand auf Kuschelkurs, war es doch noch recht voll geworden. Das nicht enden wollende Intro zerrte an den Nerven und Attila wurden ungeduldig von ihren Anhängern erwartet. Als Chris „Fronz“ Fronzak und seine Mannen die Bretter enterten gab es kein Halten mehr und die Party lief schon bei „Mittle Fingers up“ auf Hochtouren. Attila verwursten Deathcore, Rap und Hip Hop zu einem ganz eigenwilligen Sound und so war die Halle hauptsächlich mit einem recht jungen Publikum gefüllt, welches die ganze Hip Hop-Poserei auf der Bühne abfeierte, als wäre dies das Non Plus Ultra, wobei sich wohl dem ein oder anderen Old School Metalhead, welcher sich ins Backstage verirrt hatte, die Nackenhaare sträubten und die Fingernägel aufrollten. Nichtsdestotrotz brodelte es in der Halle wie in einem Wurstkessel, Schweiß tropfte aus allen Ecken und Enden und man erwartete eigentlich, dass „Fronz“ mit seiner dicken schwarzen Jacke irgendwann in der Attila-8Hitze kollabierte. Doch dem großen blonden Tätowierten mit der leicht überheblichen Attitüde schien das Treibhausklima gut zu bekommen. Und auch die Fans holten bei Songs wie „Moshpit“ oder „Public Apology“ die letzten Reserven aus sich heraus. Crowdsurfer flogen im Minutentakt Richtung Bühne und auch Bassist Kalan, crowdsurfte nach einer verlorenen Wette während „Payback“ dreimal zur Bar und wieder zurück.

Attila zerlegten ihre Fans und das Backstage an diesem Abend nach allen Regeln der Kunst. Mag man von den Amis halten was man will, für eine schweißtreibende „Mosh-Party“ ist das Quartett aus Atlanta bei seinen Anhängern immer erste Wahl.

(Text+Fotos: Sandra Baumgartl)