Thomas Mendle

We got
A little time to build up our lives
A little time to make up our minds
A little time to fill up our dreams
                                                                                                                      Helloween

Schon in frühen Kindesjahren – wir sprechen von den späten Siebzigern – hat mich meine zehn Jahre ältere Schwester musikalisch eingenordet. Ihre gerade neuesten Rockmusik-Errungenschaften hat sie stets am kleinen Bruder (Baujahr 1971) auf Sozialverträglichkeit ausgetestet, ohne Rücksicht auf die Spätfolgen. Und: Dafür bin ich ihr heute noch dankbar, auch wenn sich dabei zwischen ihre tollen Rockkracher vereinzelt auch solch soundgewordene Gräueltaten wie die Scheiben von „Ideal“ mischten.

Zehn Jahre später zahlte ich es ihr heim – mit einer Reihe von Heavy Metal Scheiben – zum Anfixen auf eine Musikrichtung, die damals meinen Lebensinhalt bedeutete und auch heute noch einen Gutteil davon ausmacht. Heute ist meine Schwester von mir eingenordet und dem Schwermetall genauso verfallen wie ich. Fest steht: Wenn es einen Gott gibt, findet man ihn in der „Metal Church“ mit Kurdt, Mike, Jeff, Rick und Steve als Hohepriester.

In der Abiturklasse gab es eigentlich nur zwei Stereotypen von Mitschülern – Schmierlappen mit weißem Hemd, Goldkettchen, Cowboystiefeln und idealerweise auch noch einer Vokuhila-Frisur einerseits und diejenigen mit langen Haaren und Heavy-Metal-Rückenaufnähern auf der Jeansjacke auf der anderen Seite. So war das damals in der bayerisch-schwäbischen Provinz. Die Wahl des Lagers fiel mir freilich nicht schwer. Denn das krankhafte Posen und das Abschleppen von ultra-einfach gestrickten Dumpf-Tussen beim Disco Fox in der muffigen Kuhdorf-Disko brauchte ich wirklich nicht – mir stand eher der Sinn nach „normalen“ Menschen bei „normaler“ Musik, mit denen man wirklich Spaß haben konnte.

Nach dem Studium gelang es mir, meine journalistische Laufbahn mit meiner großen Leidenschaft Motorrad zu verbinden, ich heuerte bei einer Motorradzeitschrift an. Später, im Rahmen der Selbstständigkeit, kam noch das Thema Musik dazu – für die dynamisch aufstrebende Plattform „amusio.com“. Die allerdings starb den plötzlichen Kindstod, nach dem sich Geschäftsführer David Mirzoian von heute auf morgen samt sämtlicher Einnahmen aus dem Staub gemacht und seine gut 50 Redakteure mörderisch gelinkt hatte.

Aus schwerem Metall ist auch meine 14jährige japanische Gefährtin geschnitzt, die mich zuverlässig, treu und immer ohne zu Murren auf meine bevorzugten Open Air Festivals in Deutschland, Belgien und Slowenien begleitet: meine Yamaha FJR 1300 – eins meiner sechs Motorräder. Und um nach getaner Arbeit in der Marketing- und Presseabteilung eines namhaften Messmittelherstellers in Neuss wieder runterzukommen und in eine Phase von Tiefenentspannung einzutreten, helfen mir meine rund 200.000 Haustiere der Spezies Apis Mellifera. Die haben mir allein im Jahr 2016 über 200 Kilogramm Honig geliefert. Ich liebe Natur, Wildnis und Abgeschiedenheit. Meine Urlaube verbringe ich darum auch lieber mit meiner Enduro im albanischen Hochgebirge statt mit Partyhut und Putzeimer am Ballermann – Zelt und Schlafsack unterm Sternenhimmel ziehe ich jedem 5-Sterne-Hotel vor.

Man könnte das alles auch einfach Spaß am Leben nennen. Deshalb ein Hoch auf alle meine Weggefährten mit sechs Beinen, zwei Beinen, zwei Rädern oder zwei E-Gitarren – was wäre ich ohne Euch?

STAY TRUE `CAUSE YOU ROCK !!!

©Sound Infection 2015